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Mut´a Ehe – Nichts für die Ewigkeit

Erschienen im Deutschlandfunk

Die Mut’a-Ehe im Islam ist bei vielen Muslimen nicht angesehen, und doch taucht diese „Ehe auf Zeit“ oder „Vergnügungsehe“ immer häufiger auf. 

von Hüseyin Topel

Nach deutschem Recht ist die Polygamie verboten, trotzdem gibt es Schlupflöcher für Menschen, die das Gesetz umgehen wollen. Wer sich in einem islamischen Land mit weiteren Frauen ehelicht, kann seine Ehefrauen hier anerkennen lassen. Zudem gibt es unterschiedliche Typen der Mehrehe. Eine Version aus dem Iran ist die sogenannte Mut´a Ehe. Dabei können Ehen auf Zeit abgeschlossen werden. 30 Minuten bis 99 Jahre, alles ist möglich. Wie steht es um Sex, Vielweiberei und die Ehe im Islam und vor allem, wie  sehen Muslime in Deutschland diese Angelegenheit? Ein Beitrag von Hüseyin Topel

Arabien im frühen 7. Jahrhundert. Auf dem Bazaar von Mekka werden neben Kamelen und Datteln, auch Frauen zur Schau gestellt. Größtenteils völlig entblößt, ohne irgendwelche Rechte, werden sie eine nach der anderen an wohlhabende Männer verkauft. Sex mit ihnen ist selbstverständlich.

Der Islam gibt Frauen erstmals Rechte

Mit Aufkommen des Islam erhalten Frauen in Arabien erstmals Rechte. Die Heirat mit Ihnen wird verpflichtend, willkürliche Beziehungen zwischen Frauen und Männern verboten. Der Sex wird fest ins Eheleben eingebunden. Sex außerhalb der Ehe gilt fortan als schwere Sünde. Aber: Ein Mann darf immer noch vier Ehefrauen gleichzeitig haben.  

„Vor Aufkommen des Islams haben Männer noch mehr als vier Frauen gleichzeitig. Von daher ist das aus der Perspektive der damaligen Zeit jetzt nicht besonders sensationell gewesen. Sensationell war eher, dass man die Zahl auf ‚vier‘ festlegte.“

So die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Möglicherweise gab es Zeiten, in denen die Polygamie Frauen sozial absicherte. Doch das könne heute nicht mehr gelten, da der Islam kein theologisches oder ethisches Konzept sei, das kontextlos und zeitlos gelebt werden könne..

“…sondern natürlich auch immer in die jeweilige Zeit eingebettet werden muss, um sinnvolle und pragmatische Lösungen zu finden. Da reicht es eben nicht eins zu eins zu kopieren. Mir persönlich geht es immer auch darum zu schauen, was der koranische Geist ist, der göttliche Geist. Was darin offenbart ist und das dann in die heutige Zeit zu übertragen. Denn der erste Impuls war es, Frauenrechte zu stärken und Frauen zu emanzipieren, dann muss das heute weitergedacht werden.“

Viel Streit im Netz

Heftig diskutiert wird im Islam zum Beispiel die schiitische Mut´ah Ehe, die Ehe auf Zeit. Die Dauer kann dabei von einer halben Stunde bis zu 99 Jahren zeitlich variieren. Dafür bekommt die Ehefrau auf Zeit einen vorher vereinbarten Geldbetrag als Brautgabe. Diese Ehe auf Zeit wird vor einem Imam geschlossen, der speziell für diese Art der Eheschließung eingesetzt wird. Weitere Rechtssicherheiten gibt es allerdings keine. 

In diesem Youtube-Mitschnitt ruft ein muslimischer Mann einen iranischen TV-Prediger an und fragt ihn u.a., ob es nicht schändlich sei, wenn eine verwitwete Frau einen Mann auf Zeit ehelicht. Der schiitische Prediger antwortet:

„Was ist daran schändlich? Gott hat es erlaubt, der Prophet hat es bestätigt, es gibt eine Stelle im Koran dazu. Wenn du dich dagegen stellst, begehst du eine Sünde.“

Unter den Sunniten hingegen findet man viele kritische Stimmen im Netz:

„Die Zeitehe war vor dem Islam verbreitet. Mohammed selbst hat die Zeitehe mehrmals verboten. Die Zeitehe ist unislamisch, eine klare Sünde und nichts weiter.“

Und so wird Mut’a-Ehe von vielen abgelehnt wird, verbreitet sich aber zunehmend, sagt Lamya Kaddor:

Diese Form der Ehe ist übrigens auch in arabischen Ländern sehr beliebt geworden. Auch immer mehr in dem sunnitisch geprägten Raum. Zum großen Teil um Prostitution zu legalisieren.

Ganz anders sieht es Saeed Fabian Schulz, ein Konvertit, der den schiitischen Islam angenommen hat:

Das wird in der Praxis zum Beispiel gerne gemacht, wenn zwei Heiratswillige sich treffen und die zukünftige Braut, der zukünftige Bräutigam sich kennenlernen sollen, dass quasi eine Zeitehe zwischen den beiden vereinbart wird, nur zum Kennenlernen. Dass sie sich auch über sexuelle Themen unterhalten können, quasi in einem Raum alleine sind und das ganze Halal ist.

Halal, also islamisch erlaubt. Denn nach klassisch-konservativer Lehre des Islam dürfen unverheiratete Frauen und Männer nur sehr beschränkt Kontakt zueinander haben. Dennoch weiß Saeed, dass es bei der Mut´ah Ehe auch häufig nur um sexuelle Befriedigung geht.

Die Mut´ah ist zum Beispiel so ein Mittel, wenn (man) es nötig hat, körperlich, vielleicht sogar psychisch, seelisch und keine Ehefrau hat, nicht verheiratet ist, ist es dann ein legitimes Mittel, um dieses Bedürfnis zu stillen.

Und wie sehen das muslimische Frauen heute, die in Deutschland leben?

„Für mich war es nie ein Thema, weil es für mich absolut nicht in Frage kommt. Ich teile sehr gerne, aber nicht meinen Mann. Mein Mann ist mein Mann. Punkt Ende Aus. Und wenn überhaupt, bin ich immer dafür: ‚Gleiches Recht für alle‘.“

Für mich ist es selbstverständlich, dass eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau bestehen muss. Ich und viele Frauen sind nicht bereit ihren Mann mit anderen Frauen zu teilen.“

 

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