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Der Imam und die Moscheegemeinde

Den Islam leben, Teil 13

Imame sind in Moscheen fürs Beten zuständig. Inzwischen wird aber weit mehr von ihnen verlangt: Sie sollen Familien unterstützen, politische Fragen klären und bei der Integration helfen. Die deutsche Öffentlichkeit erwarte zu viel von den Imamen, warnt ein Islamwissenschaftler.

Von Hüseyin Topel

Freitagmittag, eine Moschee in Nordrhein-Westfalen. Der Muezzin ruft die Muslime zum Freitagsgebet. Der große Raum unter der Kuppel ist voll. Auf der oberen Etage beten die Frauen, unten die Männer.

Ein Mann im weißen Gewand steht vorn, er steigt die Treppen der Kanzel hinab, der sogenannten Minbar, wo er seine Predigt gehalten hat. Nun wird er mit der versammelten Gemeinschaft beten.

Der Vorbeter in der Moschee wird in nahezu allen islamischen Ländern als Imam bezeichnet. Er ist das religiöse Oberhaupt einer muslimischen Gemeinde.

„Wir überfordern die Imame“

Dort spielt der Imam eine wichtige Rolle. In der deutschen Öffentlichkeit spiele er eine zu wichtige Rolle, sagt Mathias Rohe, Jurist und Islamwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg:

„Und zwar deswegen, weil wir die armen Imame hier in Deutschland eigentlich hoffnungslos überfordern. Die sollen also nicht nur – was ihres Amtes ist – ihren Gottesdienst abhalten. Nein, sie sollen darüberhinaus auch Familienberatung machen, sie sollen Integrationslotsen sein, sie sollen interreligiösen Dialog betreiben.“

Ein Imam sollte im Idealfall islamische Theologie studiert haben und sich danach einer bestimmten Gemeinde für die Gebetskultur und religiöse Angelegenheiten zur Verfügung stellen. Doch im praktischen Alltag sind sie häufig auch Ansprechpartner für:

„Eheprobleme, Schwierigkeiten in der Sexualität, in der Schule, in der Arbeit. Wie gehe ich mit den anderen um? Was gebietet Allah, was verbietet Allah mir“, so Ahmad Shekeb Popal, selbst Imam in München.

Vermittler zwischen den Generationen

Außerdem müsse sich ein Imam heute auch politischen Fragen und Problemen widmen:

„Die Jugendlichen und das Internet, die Jugendlichen und der immer lauter werdende Populismus. Die Probleme zwischen der alten Generation, die meist nur Afghanisch, Türkisch oder Arabisch spricht, aber eben nicht Deutsch und die Jugend, die eben nicht gut genug Türkisch, Afghanisch, Arabisch spricht, aber sehr gut Deutsch spricht. Wie schafft man, die zusammen zu bringen, dass es in der Gesellschaft Frieden gibt.“

Vielfältige Aufgaben für einen Imam in der muslimischen Gemeinde – und das, obwohl es im Islam keine klassische Obrigkeit gebe, wie der Islamexperte Mathias Rohe erklärt:

„Es gibt eine riesige und langwierige Debatte im Islam darüber, inwieweit man als Mensch selbst in der Lage ist, die Glaubensgrundsätze durchschauen zu können und sich dementsprechend dann auch verhalten zu können. Es gibt jedenfalls außerhalb des schiitischen Islams ja eigentlich nichts wie so eine Lehrautorität, sondern man muss schon auch selber nachdenken.“

„Es gibt viele schwierige Fragen“

Allerdings werde dann auch schnell argumentiert:

„Naja es gibt viele schwierige Fragen, da braucht man schon grundlegende Kenntnisse der Quellen und deswegen möge man sich als Muslim, als Muslimin, in einer religiös wichtigen Frage eben an jemandem wenden, dem man zutraut, dass er oder sie da auch passende Antworten geben kann“, so Rohe:

„Eine solche Antwort auf so eine religiöse Anfrage hieße die Fatwa, ein Gutachten. Das ist nicht etwa ein Todesurteil, wie oft falsch übersetzt, sondern schlicht und ergreifend ein Gutachten zu einer religiösen oder vielleicht auch religiös- rechtlichen Frage.“

Beratung per App

Der Imam Popal nennt ein Beispiel für die spezifischen Fragen von Muslimen und auch Nicht-Muslimen, die ihm gestellt werden:

„Warum opfert man ein Schaf für die neugeborene Tochter und zwei Schafe für den neugeborenen Sohn? Warum diese Ungleichheit zwischen dem neugeborenen Sohn und der neugeborenen Tochter, war heute eine Frage, die mir um 9:45, als ich in der Uni war, gestellt wurde per WhatsApp.“

Für die Antwort auf diese Frage habe er die Erklärungsversuche muslimischer Gelehrter zu Rate gezogen: Demnach sei ein Junge einfacher vom Teufel zu verführen als ein Mädchen:

„Und da der Junge einfacher zu verführen ist, sollte man für den Jungen zwei opfern, weil Mädchen bodenständiger sind und stärker in der Vernunft“, so Popal.

„Dem Imam unhinterfragt vertrauen“

Serap Güler, Staatssekretärin für Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, ist eine gläubige Muslimin. Sie beobachtet Entwicklungen innerhalb der muslimischen Community – auch was die Bedeutung des Imams betrifft:

„Es ist vielleicht auch eine Generationenfrage. Für meinen Vater spielt er eine größere Rolle als für mich. Aber es gibt auch viele jüngere, die nach wie vor auf das Wort des Imams unhinterfragt vertrauen. Ich würde das vielleicht jetzt nicht so groß einschätzen, wie in einem anatolischen Dorf bei uns in Deutschland. Aber ich glaube, sie spielen nach wie vor eine große Rolle.“

Besonders einflussreich sind sie wohl im salafistischen und islamistischen Milieu: Was etablierten Gemeinden über Jahre nicht gelungen sei, sagt Serap Güler, hätten Extremisten geschafft. Sie haben die Herzen und Köpfe junger Muslime in Deutschland erreicht, weil die…

„sich vielleicht von Gemeinden angesprochen fühlen, die ihre Sprache sprechen, also die deutsche. Die ihre Sozialisation gut kennen, vielleicht die Musik hören, die sie hören, die Mode tragen, die sie tragen. Die sind gerade diesen Gruppen, der salafistischen Szene zugeordnet. Also wenn man wirklich davon spricht, dass der Islam zu Deutschland gehört, dann muss man provokativerweise dazu sagen, dass es der salafistische ist, der hier tatsächlich deutsche Strukturen aufgebaut hat. Da müssen die größeren Gemeinden etwas gegenhalten, um diese Jugendlichen nicht diesen Rattenfängern zu überlassen.“

„Wie ich spreche, so denke ich“

Immer noch werden die meisten Imame aus dem Ausland nach Deutschland geholt. Viele kommen direkt aus der Türkei, entsandt von der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Ihre Amtszeit dauert in der Regel vier Jahre. Zu kurz, um sich die Mühe zu machen, Deutsch zu lernen, sagen Kritiker.

Auch Imam Popal, der aus Afghanistan stammt, sieht darin ein Problem – denn Sprache bedeute Denken:

„Mit anderen Worten: Wie ich spreche, so denke ich. Wer Schiller nicht versteht, wer Goethe, Brecht und Kafka nicht versteht, kann die deutsche Gesellschaft nicht verstehen. Das heißt, er kann nach außen hin gar nicht arbeiten, geschweige denn dann zur Jugend, weil die Jugend wächst ja in dieser Sprache auf.“

Auch deshalb wünscht sich die CDU-Politikerin Serap Güler mehr Praxis-Orientierung in der Ausbildung von Imamen, die hierzulande predigen:

„Das ist eben nicht nur ein Theologiestudium, was man ja heute schon machen kann, sondern ähnlich wie das Priesterseminar ist, auch das Imamseminar. Also da muss nicht nur die Theorie eine Rolle spielen, sondern auch die Praxis, um künftig diesen Einfluss aus dem Ausland zu unterbinden.“

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Tod und Sterben im Islam

Den Islam leben, Teil 15

Der Tod. Im Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit zu leben spielt im Islam eine zentrale Rolle. Doch Experten sagen: Unter heutigen Muslimen in Deutschland nimmt der Glaube an Jenseits und Auferstehung ab. Der islamische Umgang mit dem Tod wandelt sich.

Von Hüseyin Topel

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Älterwerden im Islam

Den Islam leben, Teil 14

Verantwortung übernehmen und geduldig sein: Der Islam erwartet viel von älteren Menschen. Gleichzeitig wird ihnen hoher Respekt zuteil – und Kinder wie Enkelkinder sind in der Pflicht, sich um sie zu kümmern. Doch vielen muslimischen Familien fällt das zunehmend schwer.

Von Hüseyin Topel

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Der Beginn des Lebens

Den Islam leben, Teil 1 im Deutschlandfunk

Rund fünf Millionen Muslime leben heute in Deutschland. Viele von ihnen sind religiös. Viele sind es nicht. In unserer Reihe “Den Islam leben” geht es um Alltags-Fragen von Muslimen. Die können aber schon mal grundsätzlich sein. Etwa die Frage: Wann beginnt das Leben?

Von Hüseyin Topel

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Musik im Alevitentum – „Koran mit Saiten“

Erschienen im Deutschlandfunk

Die Klänge der Saz oder Baglama sind im gesamten Orient weit verbreitet. Bei Aleviten ist dieses Instrument traditionell auch wesentlicher Bestandteil des religiösen Rituals. Auf jeden Fall dann, wenn Aleviten sich als religiös verstehen.

Von Hüseyin Topel

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Muslimische Trauerrituale und der Jenseitsglaube

Erschienen im Deutschlandfunk

Der Tod ist süß wie Zucker. Das behauptet der Sufi-Dichter Rumi. Vorstellungen vom Paradies sind tief in der islamischen Volksfrömmigkeit verankert. Doch das ändert sich gerade, wie unser Autor bei der Beerdigung seiner Großmutter feststellt.

Von Hüseyin Topel

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Der “Muselmann”, Hitler und der Mufti

Erschienen im Deutschlandfunk

Der Muselmann. Es ist ein kaum beachtetes und heikles Kapitel der NS-Forschung: In den Konzentrationslagern waren auch Muselmänner, also Muslime. Wer an ihr Schicksal erinnert, gerät schnell in den Verdacht, die Schoah relativieren zu wollen. Neue Erkenntnisse dazu sind jedoch wichtig, um das Verhältnis von Juden und Muslimen differenziert zu bewerten.

Von Hüseyin Topel

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Mohammed reist heute in den Himmel

Erschienen im:Deutschlandfunk

Mohammed reist heute in den Himmel

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch feiern Muslime mit einer besonderen Zeremonie in den Moscheen die Miraç-Nacht. Vor 1500 Jahren soll der Prophet gen Himmel emporgestiegen sein, nach Zwischenstationen in Mekka und Jerusalem. Das Fest ist innerislamisch umstritten. Salafisten bestreiten, dass Mohammed Gott gesehen hat.

Von Hüseyin Topel

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Ein Kalifat, das keines ist

Erschienen im:Deutschlandfunk

Machtanspruch des IS – Ein Kalifat, das keines ist!

Die Ehrfurcht vieler Muslime vor dem Mythos des Kalifats ist groß. Auch die Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) beruft sich darauf und rief im Sommer 2014 das Kalifat aus. Der IS betont, das Kalifat sei auf Mohammed zurückzuführen. Doch das stimmt nicht.

Von Hüseyin Topel

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